Grundwasserschwund

Unser Grundwasser wird nicht nur durch Schadstoffe beeinträchtigt. Wegen Grundwasserschwund trocknen in Deutschland Feuchtgebiete und Moore aus, sterben Wälder und ganze Landschaften.

Dabei kann von einem generellen Mangel an Grundwasser in Deutschland nicht gesprochen werden. Deutschland gehört zu den regenreichen Gebieten der Erde, in denen sich das Grundwasser normalerweise gut nachbilden kann.

In einigen Problemregionen ist dies jedoch nicht mehr der Fall. In der Lüneburger Heide und in Schleswig-Holstein ist es wegen der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung zu einer Absenkung der unteren Grundwasserstockwerke gekommen, die durch die Niederschlagsmengen nicht mehr aufgefüllt werden. Im Hessischen Ried, zwischen Rüsselsheim und Lainpertsheim, fällt der Grundwasserspiegel drastisch. Jährlich werden dort 190 Millionen Kubikmeter Grundwasser abgepumpt; etwa so viel, wie sich durch den Wasserkreislauf neu bilden kann. Hier hoffen die Fachleute, die prekäre Wassersituation durch künstliche Anreicherung des Grundwassers beheben zu können. Rheinwasser soll ins Ried infiltriert werden.

Außer im Hessischen Ried ist nirgendwo in Deutschland nachgewiesen, dass der Grundwasserspiegel durch eine zu hohe Wasserentnahme sinkt. In der Regel hat der Grundwasserschwund in den oberen Schichten eine andere Ursache. Entwässerungsmaßnahmen der Landwirtschaft. In nahezu allen landwirtschaftlich genutzten Gegenden sind im letzten und in diesem Jahrhundert Kanäle, Gruben, Entwässerungssysteme angelegt worden, die die sauren Wiesen und Moorböden trockengelegt haben. Dadurch wurden nicht nur neue, bislang für die landwirtschaftliche Nutzung ,,wertlose” Flächen erschlossen, erst dadurch konnten die Landwirte mit ihren schweren Maschinen auf die Felder, erst dadurch waren großflächige Anbaumethoden möglich. Moore und Wiesen wurden entwässert, das Regenwasser floss oberflächlich ab und stand der Grundwasserneubildung nicht mehr zur Verfügung.

Verdichtete Böden

Die schweren Maschinen tun ein übriges. Ein verdichteter Boden kann oft nur noch 20 Prozent der Wassermenge aufnehmen und speichern, die ein gut durchwurzelter Boden aufnimmt, der nicht mit Großgeräten bewirtschaftet wird. Das Wasser wird also nicht nur oberflächlich abgeleitet, viele landwirtschaftlich genutzte und überstrapazierte Böden sind überhaupt nicht mehr in der Lage, das Regenwasser aufzunehmen.

Da in Deutschland ohnehin schon rund 11 % der gesamten Fläche durch Gebäude, Industrie, Gewerbe- und Verkehrsflächen überbaut und versiegelt sind, wird die Grundwasserneubildung regional bereits empfindlich gestört. Auch wenn die derzeitige Versiegelung den Grundwasserhaushalt noch nicht grundsätzlich verändert hat, kommt es in Ballungsräumen bereits zu Grundwasserabsenkungen von bis zu zehn Metern. Damit werden besonders auf nassen Standorten – die gesamten Ökosysteme in Mitleidenschaft gezogen.

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